In eigener Sache

Robert EckholdRobert Eckhold, geboren 1985, verpflichtete sich nach seiner Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker 2004 für zwölf Jahre als Soldat auf Zeit in einem Fallschirmjägerbataillon der Bundeswehr. Der “Division Spezielle Operationen” angehörend, war er 2008 im Rahmen der ISAF-Mission als Verstärkungskraft der Schutzkompanie eines deutschen Feldlagers im afghanischen Kunduz stationiert.

Vom Abenteuer zur Berufung -
Robert Eckhold über seine Entscheidung, Soldat zu werden und zu bleiben

Während meiner zivilberuflichen Ausbildung gelangte ich sehr schnell zu der Erkenntnis, dass ich mein Leben nicht in einem neonlichtdurchfluteten Büro vor dem Bildschirm verbringen möchte, um Geschäftsprozesse zu analysieren. Ich wollte raus, unter Menschen sein, was erleben, bei einem Job geistig und angesichts meiner ungestümen Natur vor allem physisch gefordert sein. Gibt es nicht? Gibt es doch!


Der Umstand meiner Musterung zum Grundwehrdienst brachte mich meiner Vorstellung eines verantwortungsvollen, herausfordernden und abwechslungsreichen beruflichen Daseins etwas näher. So bewarb ich mich um eine Stelle als Soldat auf Zeit für die Verwendung als Fallschirmjäger – trotz meiner Höhenangst, die ich überwinden wollte. Beim Eignungstest wurde mir schließlich die Frage gestellt, wozu der Soldat eine Waffe trägt. Meine Auffassung, zur Verteidigung, wurde abrupt korrigiert: Zum Töten! Irritiert, aber davon überzeugt, dass ich wohl kaum in eine Situation geraten würde, in der ich einen Menschen töten müsse – Deutschlands Frieden war nicht bedroht – verpflichtete ich mich vorerst für vier Jahre als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr.


Im Laufe der Grundausbildung – ein jeder, der seinen Grundwehrdienst geleistet hat, wird es mir nachempfinden können – haderte ich mit meiner Entscheidung. Doch das Wissen um die Vergänglichkeit dieser Ära ließ mich durchhalten. Mit Beginn der spezifischen Ausbildung zum Fallschirmjäger erfüllten sich auch meine Erwartungen an einem befriedigenden Job. Die Befähigung zur weltweiten Durchführung spezieller Operationen, einschließlich der offensiven Auseinandersetzung mit irregulären Kräften, empfand ich jedoch mehr als Abenteuer denn als bittere Realität – bis zu meinem ersten Auslandseinsatz im nordafghanischen Kunduz…


Spätestens jetzt begann ich differenzierter zu denken. Meine Berufung, und sicher auch die der meisten Soldaten, wurde der Frieden. Auch wir würden gern eine gewaltfreie Welt erleben. Doch angesichts des global bestehenden Krisen- und Konfliktpotenzials ist Pazifismus ein allzu illusorischer Begriff. Der Zustand konsequenter Gewaltlosigkeit, um den Weltfrieden zu erlangen, muss zunächst erreicht werden. Eine pazifistische Weltanschauung und deren Zelebrierung allein reichen nicht aus, man muss auch bereit sein, etwas dafür einzusetzen. Wir Soldaten sind nicht für die Kausalität militärischer Auseinandersetzungen verantwortlich zu machen. Hier sind in erster Linie die Politiker und Wirtschaftsgrößen gefordert.


Und ich bin davon überzeugt, wer die radikale und vor allem die extremistische Variante des politischen Islams, seine Ideologie und Gewaltbereitschaft miterlebt hat, glaubt wohl kaum noch an eine zivile Konfliktlösung. Die Missachtung der Menschenwürde und die daraus resultierende stetige Verletzung der Menschenrechte kann durch nichts gerechtfertigt werden und sind meines Erachtens nicht verhandelbar. Selbst ein hartgesottener Kriegsgegner würde, wenn er denn die Courage hätte, sich in Krisenregionen zu engagieren, entgegen seiner Prinzipien versuchen, ursprüngliche Gewalt zu verhindern und – in allerletzter Konsequenz auch mit Gewalt – sein eigenes oder das Leben friedliebender Mitmenschen zu verteidigen.

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